[auf großer fahrt]

Sollten Sie eine Fernreise gen Asien planen und ob des Preisvorteils einen Flug mit Zwischenstopp wählen, so verwerfen Sie diesen Plan bitte schnell wieder. Sollte es nicht anders gehen, so fliegen Sie nach Möglichkeit nicht mit einer Fluggesellschaft, deren Namen an einen Ballsport erinnert, mit Stopp-Over in "Bahrain":http://de.wikipedia.org/wiki/Bahrain. Sollten Sie es dennoch tun, so sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Gehen Sie lieber über Los und ziehen 4.000 Mark ein, meinetwegen auch ins Gefängnis ohne 4.000 Mark. Hauptsache nicht Bahrain. Wobei das auch etwas von Gefängnis haben kann, aber darauf komme ich vielleicht in den nächsten Tagen nochmal zurück.


[Foto via die bessere Hälfte]

Sollten Sie immer noch der Meinung sein, dass Sie mit der Wahl dieser Flugroute richtig liegen, so lassen Sie sich gesagt sein, dass aus einem Zwischenaufenthalt von zwei auch schnell mal sieben Stunden werden können. Und das geht so:

Man landet, quetscht sich durch die Passkontrolle und lässt zum gefühlten 567. Mal sein Handgepäck und sich selbst scannen (Schmuck, Uhr und Gürtel aus und wieder an…), während im Hintergrund der Mullah über Lautsprecher sein Abendgebet in die überklimatisierten Flughafengebäude brüllt. In der Wartehalle angekommen entdeckt man auf dem Monitor mit den Abfluginformationen als erstes, dass der Weiterflug um zwei Stunden verspätet ist. Macht ja nix, trinken wir halt ein Wartebierchen mehr und überbrücken die Zeit. Flughafen Bahrain und Bier? Fehlanzeige. Also eben Pommes und Coke beim goldenen M. Immerhin das gibt es hier, obwohl ich deren kulinarische Köstlichkeiten eigentlich nicht mag. Aber was tut man nicht alles, um vier Stunden auf einem trostlosen Flughafen irgendwo in der Golfregion totzuschlagen? Vier Stunden beim Amerikaner halten allerdings auch wir nicht aus, aber immerhin zehn Minuten. Anschließend haben wir unseren Wartebereich aufgesucht und… gewartet. Zeitung gelesen, gewartet, Kreuzworträtsel gelöst, gewartet, anhand des Reiseführers die Routen für die nächsten Tage festgelegt, Toilette besucht und gewartet. Wäre der Flughafen nicht auf ca. 12 Grad runtergekühlt gewesen, hätte ich es zwischenzeitlich auch mal mit Schlafen versucht, stattdessen war ich auch mit Frieren ganz gut beschäftigt.

Als es schließlich zum boarden ging, zeigten wir brav Pass und Ticket vor und wurden in den abgetrennten Wartebereich des Gates vorgelassen. Nachdem sich dieser mit ca. 4/5 der Passagiere gefüllt hatte, fiel den Flughafenmitarbeitern auf, dass sich irgendwo eine Diskrepanz eingeschlichen hatte. Meterweise Passagierlisten wurden im Minutenabstand neu ausgedruckt, bereits abgetrennte Tickethälften immer wieder neu nach Farben, Mustern oder Namen sortiert, gezählt, geordnet, gezählt und ratlos geguckt. Als die wartende Meute schließlich unruhig wurde, dann die bestmögliche, logische und kundenfreundlichste aller Lösungen- der Flug wurde um weitere zwei Stunden verschoben und damit die Passagiere wenigstens was zu tun haben, schickte man sie kurzerhand vom äußersten Gate der linken Seite zum äußersten rechts.

Eine Coke und Pommes später saßen wir dann dort im Wartebereich und guckten auf dem MacBook "Elton vs. Simon":http://www.prosieben.de/show_comedy/elton_vs_simon/, während ein älterer Herr mit roter Uhr in roter Hose immer wieder verzweifelt versuchte, die Anzeige des Flugs auf dem Monitor mit seinem Handy zu fotografieren. Anschließend mussten wir alle aus dem Wartebereich raus, nur um kontrolliert vom Flughafenpersonal wieder in den Wartebereich eingelassen zu werden. Das Ankommen der Busse dauerte dann noch eine weitere halbe Stunde, das Boarden ebenfalls und mit siebenstündiger Verspätung hoben wir schließlich in einem vollbesetzten Sextouristenflieger gen Bangkok ab.

Wie gut, dass uns das mit der Verspätung auf der Rückreise nicht passieren konnte, denn da hatten wir ja sehenden Auges das Unglück gebucht. Zehn Stunden Aufenthalt in meinem neuen Lieblingsland am Persischen Golf. Viel Zeit also Land, Leute und den Flughafen zu erkunden.

2 Mehrere Meinungen to “[auf großer fahrt]”

  1. Neheimer

    In Bahrain frieren, aber in der Schweiz Ski fahren ;-)

  2. chilldogg

    Hätte ich meinen Skianzug dabei gehabt, hätte ich ja nix gesagt..

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